Nach der mit der Besetzung der Niederlande und Belgien
erfolgreich abgeschlossenen ersten Phase der deutschen Westoffensive
begann am 5. Juni 1940 mit der als "Fall Rot" bezeichneten "Schlacht um Frankreich"
die zweite Phase. Durch Kämpfe, Gefangennahme und die Evakuierung bei Dünkirchen
hatte
das französische Heer bis dahin über 250.000 Soldaten - zehn Prozent seiner
Gesamtstärke - verloren.
Für die Verteidigung entfiel
zudem der Großteil des ebenfalls evakuierten Britischen
Expeditionskorps.
Unter Schwächung der an der Maginot-Linie
stehenden Heeresgruppe 2 fügte der alliierte Oberbefehlshaber
Maxime Weygand (1867-1965) zahlreiche Armeen in eine hastig improvisierte
Abwehrfront entlang der Somme und Aisne ("Weygand-Linie")
ein.
Vor allem durch den Einsatz leistungsfähiger Panzerverbände
drang die Heeresgruppe B unter Generaloberst Fedor von Bock
wenige Tage nach Eröffnung des Angriffs an die untere Seine
bei Rouen vor. Die Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt vermochte nach der Überwindung der Aisne
die Marne-Linie zu erreichen. Nach dem Durchbruch durch die "Weygand-Linie"
war es den Franzosen nunmehr unmöglich, eine neue geschlossene
Abwehrfront aufzubauen. Massive Angriffe der deutschen Luftwaffe
und durch zurückflutende Flüchtlingstrecks verstopfte
Straßen verhinderten einen geordneten Rückzug der französischen
Truppen. Zunehmende Auflösungserscheinungen der französischen
Streitkräfte und große operative Bewegungen der Wehrmacht
in Richtung Schweizer Grenze bedingten sich gegenseitig.
Während am 14. Juni kampflos der Einmarsch in das
zur "offenen Stadt" erklärte Paris durch die 18.
Armee unter Generaloberst Georg von Küchler erfolgte,
stieß die Heeresgruppe C unter Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb im Südwesten auf französisches Gebiet
vor. Im Raum Saarbrücken durchbrach die 1. Armee die Maginot-Linie.
Ein weiterer Abschnitt fiel durch die 7. Armee am Oberrhein nördlich
von Colmar. Der französische Widerstand war endgültig
gebrochen, feste Fronten von größerer Ausdehnung gab
es nicht mehr. Als am 17. Juni über Verdun vorstoßende
Panzertruppen unter Generaloberst Heinz Guderian die
Grenze zur Schweiz erreichten, schlossen sie die Maginot-Linie
und den Großteil des französischen Heers ein. Am selben
Tag unterbreitete der französische Ministerpräsident
Henri Philippe Pétain dem Deutschen Reich ein Angebot
über einen Waffenstillstand, der am 22. Juni im Wald
von Compiègne unterzeichnet wurde.
(as)