Der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Im Mai 1947 traten erstmals Vertreter von Arbeitgeberverbänden aus den acht Ländern des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (britische und amerikanische Besatzungszone) zusammen und bildeten eine „Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber der Westzone".

Im Juni 1948 wurde in Wiesbaden ein „Zentralsekretariat der Arbeitgeber des Vereinigten Wirtschaftsgebietes" gegründet. Es sollte der gemeinsamen Arbeit der neu gegründeten Verbände eine formale Grundlage geben.

Trotz des von den Allierten verhängten Verbotes gründeten am 28. Januar 1949 Vertreter von Arbeitgeberverbänden der britischen und amerikanischen Besatzungszonen die „Sozialpolitische Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber des Vereinigten Wirtschaftsgebietes" und wählten Walter Raymond zu ihrem Vorsitzenden.

Da der Zusammenschluß gegen das Besatzungsrecht verstieß, wurde Raymond umgehend zu einer Besprechung mit den Generalen und Gouverneuren der Militärregierung Lucius Dubignon Clay und Brian Robertson gebeten. Obgleich gesetzeswidrig, befanden Clay und Robertson die Neugründung für „vernünftig", änderten die betreffende Kontrollratsdirektive und ließen die Arbeitsgemeinschaft zu.

So konnte am 13. April 1949 in Wiesbaden die konstituierende Sitzung der „Sozialpolitischen Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber des Vereinigten Wirtschaftsgebietes" offiziell stattfinden. Ende 1949 schlossen sich die in der französischen Zone gebildeten Arbeitgeberverbände an. Seit 1950 nennt sich der Zusammenschluß der Arbeitgeberverbände aller Wirtschaftszweige Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Erster Präsident war Walter Raymond. Seine Stellvertreter waren Hans Bilstein,

Leopold Graf von der Schulenburg, Walter Wieser und Hans Schmitz.

Obwohl der BDI der größte und mächtigste Wirtschaftsverband in der Bundesrepublik ist, werden die Tarifverhandlungen nicht von ihm geführt. Dafür sind die mehr als 1 000 Arbeitgeberverbände zuständig, die in der BDA zusammengeschlossen sind. Hauptaufgabe der BDA ist die Vertretung der Arbeitgeberinteressen gegenüber den Arbeitnehmern im Rahmen der vom Grundgesetz gewährleisteten Tarifautonomie.

Walter Raymond:

Walter Raymond wurde am 23. Mai 1886 in Kammelwitz (Schlesien) geboren. Er studierte Mathematik und Staatswissenschaften und promovierte in Göttingen. Anschließend war er als Beauftragter eines Hamburger Versicherungskonzerns mehrere Jahre in Süd-Amerika. Nach dem Ersten Weltkrieg trat Raymond in den Konzern der Metallgesellschaft Frankfurt/Main ein, wurde Direktor verschiedener zum Konzern gehörender Gesellschaften und war seit 1927 Vorstand der Süddeutschen Kabelwerke Mannheim. Von 1930-1959 gehörte er dem Vorstand der Vereinigten Metallwerke, Frankfurt/Main-Heddernheim, an und war von 1949-1953 Vorsitzender der BDA in Wiesbaden. 1953 wurde er zum Ehrenpräsidenten der BDA ernannt. 1959 wurde die Walter - Raymond - Stiftung ins Leben gerufen. Am 15. Juni 1972 verstarb Raymond in Heidelberg.

 

 

 

Hans Bilstein

Hans Bilstein wurde am 5. Juli 1894 geboren. Seit 1915 war er Alleininhaber der Firma August Bilstein Gmbh in Ennepetal-Altenvoerde (Eisengießerei, v.a. Produktion von Baubeschlag und Automobilzubehör). Bilstein wurde 1948 zum ersten Vorsitzenden des neugegründeten Arbeitgeberverbandes Hagen-Ennepetal-Ruhr und 1949 zum Vizepräsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände gewählt. Daneben war er Vorsitzender des Gesamtverbandes der metallindustriellen Arbeitgeberverbände e.v. (Köln), Vorstandsmitglied der Landesvereinigung der industriellen Arbeitgeberverbände Nordrhein-Westfalens und Vizepräsident des Verbandes der Automobilindustrie. Bilstein verstarb am 27. Januar 1970.

 

Leopold Graf von der Schulenburg:

Leopold Graf von der Schulenburg wurde am 20. November 1900 in Freienwalde / Oder geboren. Der promovierte Landwirt und Gutsbesitzer war von 1929 bis 1939 Betriebsleiter landwirtschaftlicher Betriebe in der Provinz Sachsen und in Lippe. Von 1942 bis1976 war er Betriebsleiter des Ritterguts Hodevissen (Kreis Lippe). Von 1946 bis 1976 nahm er in berufsständischen Organisationen und in der Milchwirtschaft ehrenamtliche Tätigkeiten wahr. So wurde Graf von der Schulenburg u.a. 1947 zum Gründungs-Vorsitzenden des Westfälisch-Lippischen Arbeitgeberverbandes für die Landwirtschaft und 1951 zum Präsidenten des Gesamtverbandes der land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände gewählt. Zwischen 1949 und 1964 war er Mitglied des Präsidiums der BDA sowie deren Vizepräsident für die Landwirtschaft. Graf von der Schulenburg verstarb am 24. März 1986.

 

Walter Wieser:

Walter Wieser wurde am 16. Mai 1895 in Frankfurt a. Main geboren. Der gelernte Malermeister übernahm nach dem Ersten Weltkrieg den Malerbetrieb seines Vaters. Seit 1918 hatte Wieser leitende Positionen innerhalb der Berufsorganisationen des Malerhandwerks inne (u.a. hatte er seit 1926 den Vorsitz des Rhein-Mainischen Maler- und Tünchmeisterverbandes). Zwischen 1933 und 1945 ruhten diese Ämter, die er nach Kriegsende wieder aufnahm (u.a. war er ab 1949 Präsident des deutschen Malerhandwerkes und von 1954 bis 1966 Präsident der Bundesvereinigung des Fachverbandes des Deutschen Handwerks). Wieser verstarb 1979.

 

Hans Schmitz:

Hans Schmitz wurde am 10. Dezember1896 in Bonn geboren. 1925 errichtete er ein Textilgeschäft in Bonn; bis 1932 gab es hierzu Filialen in vier weiteren Städten. 1938 gründete er eine Textilgroßhandlung. 1946 wurde Schmitz zum Präsidenten der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels gewählt und gehörte dem ersten deutschen Bundestag von 1949 bis 1953 als Parlamentarier an. Als erster Präsident stand Schmitz der IHK in Bonn von 1947 bis 1952 und 1966 bis 1970 vor; seit 1970 war er deren Ehrenpräsident. Daneben war er Mitglied des Hauptausschusses und Vorstandsmitglied des DIHT. Schmitz verstarb am 8. Januar 1986.