Sammlungen des Deutschen Historischen Museums

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verantwortlich: Dr. Matthias Miller

Sammlung Rara

Eine besondere Aufgabe sieht die Bibliothek in der Sammlung des historischen Buches als Ausstellungsobjekt. Der hier zusammengefasste Bestand (ca. 10.000 Bände) wird durch Neuankäufe ständig erweitert. Die Sammlung enthält neben kostbaren und seltenen Drucken auch Kupferstichwerke, Erstausgaben der deutschen Literatur, Philosophie, Naturwissenschaft und Technik sowie populäre und massenhaft verbreitete Drucke wie Flugschriften, Kalender, Almanache, Gebrauchsliteratur aller Art bis hin zu Broschüren aus der Zeit des Kalten Krieges.

In dieser Sammlung finden sich:

  • einige kulturgeschichtlich bemerkenswerte Handschriften, z. B. ein doppelseitig beschriebenes Pergamentblatt aus dem Heliand (um 830), zwei Breviere (Mitte 15. und Anfang 16. Jahrhundert) und das neunte und zehnte Buch der Spruchgedichte des Volksdichters und Meistersingers Hans Sachs (1535 u. 1555) mit charakteristischen Renaissanceeinbänden, die zu den bekannten, bis zum Tode des Dichters in seiner Wohnung aufbewahrten Handexemplaren gehören

  • 33 Inkunabeln, u. a. die Schedelsche Weltchronik (Nürnberg 1493), die erste lateinische Übersetzung des Berichtes von Christoph Kolumbus Epistola de insulis nuper inventis (Rom 1493) über die Entdeckung der Neuen Welt, die Chronik von Cöln (Köln 1499), Konrad von Megenbergs Buch der Natur (2. Ausgabe, Augsburg 1478) und das berüchtigte Buch über die Hexenverfolgung von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger Malleus maleficarum (Speyer1487)

  • ein größerer Bestand an Literatur des 16. Jahrhunderts: Allein für die Zeit von 1500 bis 1555 sind ca. 480 Druck- und Flugschriften vorhanden. Darunter befinden sich 160 Lutherschriften mit dem kulturgeschichtlich bedeutsamen Septembertestament (Wittenberg 1522), eine zweibändige Prunkbibel, auf Pergament gedruckt bei Heinrich Steiner (Augsburg 1535), aus dem Besitz der Reichsgrafen von Ortenburg und die 95 Thesen (Basel 1517) über den Ablass. Erwähnenswert sind außerdem Ulrich von Huttens Gespräch büchlin (Straßburg 1521) mit seinem Programm der Befreiung der deutschen Nation von der päpstlichen Vorherrschaft, die bekannten Dunkelmännerbriefe Epistolae obscurorum virorum (Hagenau 1515), das Wittenbergische und Hallesche Heiltumsbuch (1509 bzw. 1520), die die Reliquiensammlung Friedrichs des Weisen von Sachsen und Albrechts von Brandenburg enthalten, Sebastian Brants Moralsatire Narrenschiff (Basel 1506), die Bannandrohungsbulle von Papst Leo X. Bulla contra errores Martini Lutheri et sequacium (Rom 1520), aber auch das Manifest des Bauernkrieges Die Grundlichen und rechten Hauptartikel aller Bauernschaft (Augsburg 1525). Die wissenschaftliche Literatur dieser Zeit ist vertreten durch Johannes Kepler, Georg Agricola, Adam Riese, Peter Apian, Euklid, Galileo Galilei und Albrecht Dürer, medizinische Schriften von Andreas Vesalius, Paracelsus und Leonhard Thurnneysser zum Thurn, geografisch-topografische Werke von Sebastian Münster und Claudius Ptolemäus, ergänzt durch Städtechroniken von Georg Braun und Franz Hogenberg.

  • Das 18. Jahrhundert ist in der Rara-Sammlung besonders reich vertreten. Hier sind zu nennen das Universallexikon von Johann Heinrich Zedler (Halle, Leipzig 1737-1750), die Oeconomisch-technologische Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz (Berlin 1773 ff.) und die Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, par une societé de gens de lettres in 36 Bänden von Denis Diderot und Jean d'Alembert (Lausanne, Bern 1779-1782). Auf dem Gebiet der Literatur und Philosophie sind über 200 Erstausgaben der führenden Vertreter der deutschen Aufklärung und Klassik vorhanden. Literatur zu den kriegerischen Auseinandersetzungen der Zeit (Siebenjähriger Krieg, Schlesische Kriege, Österreichischer Erbfolgekrieg, Nordischer Krieg, Türkenkriege) und zur brandenburgisch-preußischen Geschichte runden den Bestand ab.

  • Für das 19./20. Jahrhundert stehen charakteristische Dokumente der fortschrittlichen und revolutionären Bewegungen zur Verfügung. Zu den seltenen Werken gehören Schriften aus der Zeit des Frühsozialismus mit einer Ausgabe des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels (vermutlich Köln 1850), Die Lage der arbeitenden Klasse in England von Friedrich Engels (Leipzig 1845) und Flugschriften der Revolution von 1848. Eine umfangreiche Sammlung an Originalschriften der alten Sozialdemokratie mit Werken von August Bebel, Wilhelm Liebknecht, ferner Schriften zur Arbeiterfrage, Lebensbeschreibungen einzelner Arbeiter und Parteiprogramme dokumentieren die Herausbildung und die Kämpfe der Arbeiterbewegung im Kaiserreich. Für die Weimarer Zeit sind Schriften von Parteien und Organisationen, Flugschriften zur Novemberrevolution 1919, Bücher des Malik-Verlages und eine größere Anzahl von Erstausgaben der bürgerlich-humanistischen und proletarisch-revolutionären Schriftsteller vorhanden. Aus der Zeit des Nationalsozialismus finden sich neben Schrifttum der NSDAP die Zeugnisse des Widerstandes und 220 Exilschriften.

  • umfangreiche Bestände für die Zeit nach 1945, insbesondere für die Geschichte der DDR und dokumentarische Schriften aus der Zeit des Kalten Krieges

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